Legasthenie-Test: Wie wird eine Lese-Rechtschreib-Schwäche festgestellt?
Wenn ein Kind in der Schule dauerhaft Probleme beim Lesen und Schreiben zeigt, wünschen sich Eltern und Lehrer vor allem eines: Gewissheit. Doch wie lässt sich eine Legasthenie oder Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) verlässlich nachweisen? Welche Testverfahren sind wissenschaftlich anerkannt und worauf sollten Eltern bei der LRS-Diagnostik achten?
(Hinweis: Eine genaue Abgrenzung der Begriffe sowie typische Symptome im Alltag finden Sie in unserem ausführlichen Ratgeber Legasthenie-Definition: Was ist Legasthenie und was ist LRS?.)
Um den aktuellen Lernstand eines Kindes ohne Vorurteile zu ermitteln, führt der Weg über eine gezielte Diagnostik. Dabei lohnt sich ein kritischer Blick auf die gängigen Testmethoden – allen voran den klassischen Intelligenztest:
Wissenschaftliche LRS-Diagnostik: Wann ist sie sinnvoll?
Umstritten: Der IQ-Test und die Tücken starrer Grenzwerte bei der LRS-Diagnose
Der beste Weg: Ein pädagogischer Rechtschreibtest
Eingangs- und Verlaufstests: Warum ein einmaliger Test nicht ausreicht
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Wissenschaftliche LRS-Diagnostik: Wann ist sie sinnvoll?
Erste Hinweise auf Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten zeigen sich meist im Unterricht oder bei den Hausaufgaben. Die gewissenhafte Beobachtung durch Eltern und Lehrer ist ein wichtiger erster Schritt. Um jedoch Gewissheit zu erlangen und eine gezielte Hilfe in die Wege zu leiten, ist eine professionelle LRS-Diagnostik unerlässlich.
Eine wissenschaftlich fundierte Diagnostik bewertet die Fähigkeiten im Lesen und Schreiben objektiv. Sie stellt sicher, dass die tatsächlichen Ursachen der Probleme erkannt werden und Ihr Kind genau die Unterstützung erhält, die es benötigt. Eine reine „Diagnose auf dem Papier“ – beispielsweise für den schulischen Nachteilsausgleich – lindert zwar kurzfristig den Leistungsdruck, löst aber die zugrundeliegenden Schwierigkeiten beim Schriftspracherwerb nicht auf. Auf die Diagnose muss daher immer eine gezielte Förderung folgen, die die nicht vollzogenen Lernschritte systematisch nachholt.

Umstritten: Der IQ-Test und die Tücken starrer Grenzwerte bei der LRS-Diagnose
In der medizinischen Diagnostik wird eine Legasthenie traditionell über das sogenannte IQ-Diskrepanzkriterium der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgestellt. Damit eine offizielle LRS-Diagnose beziehungsweise das Vorliegen einer Legasthenie attestiert werden darf, müssen die Lese- und Rechtschreibleistungen eines Kindes signifikant schlechter sein, als es seine allgemeine Intelligenz vermuten ließe.
Dieser Ansatz ist in der pädagogischen Praxis aus gutem Grund höchst umstritten und bringt für die betroffenen Kinder erhebliche Tücken mit sich:
- Ausschluss durch starre Grenzwerte: Ein Kind mit einem knapp unterdurchschnittlichen Intelligenzquotienten erhält trotz massiver, deckungsgleicher Probleme oft keine offizielle Diagnose, weil seine Schwäche angeblich zu seiner allgemeinen Intelligenz „passt“. Ihm wird dadurch der Zugang zu offizieller Unterstützung oder einem Nachteilsausgleich erschwert.
- Irrelevanz für die Förderung: Für die pädagogische Praxis spielt der Intelligenzquotient keine Rolle. Wissenschaftliche Studien zeigen eindeutig, dass Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten dieselben strukturierten Lernschritte benötigen und von denselben Fördermethoden profitieren – völlig unabhängig von ihrem gemessenen IQ.
- Fehlender Alltagsbezug: Ein IQ-Test misst logisches Denken, räumliches Vorstellungsvermögen oder die Merkfähigkeit. Er liefert jedoch keinerlei Aufschluss darüber, an welcher Stelle des Schriftspracherwerbs das Kind genau feststeckt und welche orthografischen Regeln es noch nicht verinnerlicht hat.

Der beste Weg: Ein pädagogischer Rechtschreibtest
Um ein Kind effektiv und gezielt zu fördern, ist ein standardisierter, wissenschaftlich normierter pädagogischer Rechtschreibtest (wie der im LOS eingesetzte Test schreib.on) unverzichtbar. Ein solcher Test konzentriert sich ausschließlich auf die tatsächliche Schreibleistung des Kindes und analysiert diese bis ins kleinste Detail.
Graphemtreffer statt bloßer Fehlerzählung
Klassische Diktate in der Schule zählen lediglich die fehlerhaften Wörter. Schreibt ein Kind das Wort „Herbst“ als „Herpst“, gilt das Wort als falsch – genauso, wie wenn es „Ebst“ geschrieben hätte.
Ein pädagogischer Test arbeitet hingegen mit der Analyse von Graphemtreffern:
- Was ist ein Graphem? Ein Graphem ist die kleinste bedeutungsunterscheidende Schrifteinheit, die ein bestimmtes Lautsegment (Phonem) darstellt (z. B. „sch“, „ch“ oder einzelne Buchstaben).
- Die tiefere Analyse: Beim Wort „Herbst“ prüft der Test detailgenau, welche Bausteine das Kind bereits beherrscht. Schreibt es „Herpst“, hat es fast alle Grapheme (H-e-r-b-s-t) korrekt erkannt und lediglich bei der Auslautverhärtung von p/b einen Fehler gemacht. Schreibt es „Ebst“, fehlen grundlegende Laut-Buchstaben-Zuordnungen.
Durch diese differenzierte Betrachtung wird exakt sichtbar, welche Rechtschreibregeln und morphematischen Strukturen das Kind bereits verstanden hat und an welchen Stellen gezielte Hilfestellung nötig ist.
Eingangs- und Verlaufstests: Warum ein einmaliger Test nicht ausreicht
Eine verlässliche Diagnostik darf niemals eine bloße Momentaufnahme bleiben. Wenn ein Kind einmalig einen Test absolviert, zeigt dies zwar den Status quo, lässt aber keine Rückschlüsse auf die Lernentwicklung zu. Eine erfolgreiche pädagogische Therapie erfordert daher ein dynamisches Testkonzept:
1. Der Eingangstest
Er bildet das Fundament. Er vergleicht die Leistung des Kindes mit einer repräsentativen Altersgruppe (Normierung) und deckt die genauen Lücken im Schriftspracherwerb auf. Auf dieser Basis wird der individuelle Förderplan erstellt.
2. Regelmäßige Verlaufstests
Im Abstand von einigen Monaten sollte der Test wiederholt werden. Diese Verlaufskontrolle zeigt schwarz auf weiß, ob die pädagogische Förderung anschlägt und das Kind Fortschritte bei den Graphemtreffern macht, damit der Förderplan dynamisch an die nächsten Lernschritte angepasst werden kann.
Begleitsymptome: Was gehört noch zur umfassenden Diagnose?
Andere Symptome wie Schulangst, Konzentrationsschwäche, mangelndes Selbstbewusstsein oder psychosomatische Beschwerden wie Bauchschmerzen sind oft direkte Folgeerscheinungen der ungelösten Rechtschreibprobleme.
Es ist wichtig, diese psychosozialen Faktoren bei einer umfassenden Betrachtung des Kindes zu berücksichtigen. Es ist jedoch nicht sinnvoll, die LRS-Diagnose primär an solchen Verhaltensauffälligkeiten festzumachen. Das Kernproblem sind und bleiben die Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten. Sobald diese im Rahmen einer wirksamen pädagogischen LRS-Therapie abgebaut werden und das Kind wieder Erfolge im Unterricht feiert, verschwinden meist auch die psychischen Begleitsymptome von ganz allein.
Machen Sie den ersten Schritt zu mehr Sicherheit
Wenn Sie vermuten, dass Ihr Kind unter einer Legasthenie oder Lese-Rechtschreib-Schwäche leidet, schieben Sie den Test nicht auf die lange Bank. Je früher die konkreten Lücken aufgedeckt werden, desto schneller kann Ihr Kind Frust abbauen und wieder mit Freude und Selbstbewusstsein am Unterricht teilnehmen.
Vereinbaren Sie einen Termin für einen kostenlosen, wissenschaftlich fundierten Online-Rechtschreibtest im LOS in Ihrer Nähe und erhalten Sie eine ausführliche, persönliche Auswertung des Lernstandes Ihres Kindes.
Häufige Fragen (FAQ)
Wissenswertes zum Legasthenie-Test
Wie kann man Legasthenie feststellen?
Die Feststellung erfolgt über standardisierte Testverfahren. Dabei untersuchen Experten (z. B. Fachtherapeuten, Lerntherapeuten oder Jugendärzte) gezielt die Lese- und Rechtschreibleistung im Vergleich zum allgemeinen Entwicklungs- und Intelligenzniveau des Kindes. Auch ein Hör- und Sehtest gehört dazu, um organische Ursachen auszuschließen, ebenso ein Intelligenztest. Im LOS vor Ort testen wir ausschließlich mit unserem Rechtschreibtest schreib.on.
Ab welchem Alter kann man Legasthenie feststellen?
Erste Hinweise können bereits im Vorschulalter auftreten, etwa bei Schwierigkeiten mit Reimen oder beim Erkennen von Anfangsbuchstaben. Eine zuverlässige Diagnose ist jedoch meist erst ab der 1. bzw. 2. Klasse möglich.
Je früher Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten erkannt werden, desto besser sind die Erfolgsaussichten bei der Förderung. Deshalb empfehlen wir: Lieber einmal zu früh testen lassen als zu spät.
Wer führt Legasthenie-Tests durch und wer übernimmt die Kosten?
Tests werden von Kinder- und Jugendpsychiatern, Spezialärzten, Schulpsychologen oder qualifizierten Lerntherapeuten angeboten. Bei medizinisch indizierten Abklärungen übernehmen oft die Krankenkassen oder Ämter die Kosten.
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Herausgeber & Qualitätssicherung
Autor: LOS-Fachredaktion
Fachliche Qualitätssicherung: Pädagogische Arbeitsgruppe des LOS-Verbundes
Fachlich geprüft durch: Ausgewählte Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats des LOS-Verbundes
Veröffentlicht: 18.07.2018
Zuletzt fachlich aktualisiert: 23.07.2026
