Legasthenie-Definition: Was ist Legasthenie und was ist LRS?
Den Begriff "Legasthenie" und damit im Zusammenhang auch "Legastheniker" sowie die Abkürzung "LRS" hört man im schulischen Alltag immer wieder. Doch was genau versteht man eigentlich darunter? Wo liegen die Unterschiede in der Definition und handelt es sich dabei um eine Krankheit?
Hier finden Sie verständliche Antworten sowie wissenschaftlich fundierte Informationen zur Abgrenzung der Begriffe und zu den Möglichkeiten einer gezielten pädagogischen Förderung:
Was versteht man unter Legasthenie und LRS?
Was ist der Unterschied zwischen Legasthenie und LRS?
Die Definition der WHO (ICD-10) und das IQ-Diskrepanzkriterium
Die biologischen und genetischen Ursachen der Legasthenie
Wann sind Fehler beim Lesen und Schreiben noch „normal“?
LRS und Legasthenie erfolgreich therapieren
Häufige Fragen zum Thema Definition LRS und Legasthenie (FAQ)
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Was versteht man unter Legasthenie und LRS?
Der Begriff Legasthenie bedeutet wörtlich übersetzt „Leseschwäche“, während LRS als Abkürzung für „Lese-Rechtschreib-Schwäche“ steht. Da Lesen und Schreiben beim Schriftspracherwerb untrennbar Hand in Hand gehen, gibt es eine rein isolierte Leseschwäche oder eine isolierte Rechtschreibstörung im Alltag äußerst selten.
Wer Probleme hat, gesprochene Sprache in Schrift zu übersetzen, scheitert meist auch beim flüssigen Lesen und dem Verstehen von Texten. Deshalb beschreiben heute beide Begriffe umfassende, zusammen auftretende Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Schreibens.

Was ist der Unterschied zwischen Legasthenie und LRS?
Obwohl die Begriffe im Alltag oft synonym für Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten verwendet werden, gibt es in der Definition und in der Wahrnehmung wesentliche Unterschiede:
- Legasthenie: Wird im klinischen und medizinischen Bereich oft als eine angeborene, genetisch bedingte und dauerhafte Besonderheit der Informationsverarbeitung im Gehirn definiert.
- LRS (Lese-Rechtschreib-Schwäche): Beschreibt im pädagogischen Bereich alle Abstufungen von Problemen beim Schriftspracherwerb. Eine LRS kann auch temporäre, äußere Ursachen haben – wie etwa längere Unterrichtsausfälle, emotionale Belastungen oder Sehstörungen – und lässt sich bei rechtzeitiger Intervention oft vollständig ausgleichen.
Wichtig für die Praxis: Für eine erfolgreiche Förderung spielt dieser definitionsgemäße Unterschied im Grunde keine Rolle. Um einem Kind effektiv zu helfen, ist es völlig unerheblich, ob es den „Stempel“ Legastheniker oder LRS-Kind trägt. Entscheidend ist eine genaue Analyse, welche Lernschritte beim Schreiben und Lesen noch nicht sicher vollzogen wurden, um genau dort mit der Förderung anzusetzen.
Auf einen Blick: Unterschiede zwischen LRS und Legasthenie
| Merkmal: | Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) | Legasthenie |
| Ursprung: | Vorübergehend, im Laufe des Lebens erworben | Angeboren, genetisch bedingt |
| Hauptursachen: | Äußere Einflüsse (Schulausfall, Belastungen, Didaktik) | Neurobiologische Unterschiede bei der Sprachverarbeitung |
| Verlauf: | Lässt sich bei rechtzeitiger Hilfe vollständig beheben | Begleitet Betroffene meist lebenslang, aber gut kompensierbar |
| Pädagogischer Ansatz: | Gezieltes Nachholen der unvollständigen Lernstufen | Systematisches Training und Aufbau von Schreibstrategien |
Die Definition der WHO (ICD-10) und das IQ-Diskrepanzkriterium
In der internationalen Klassifikation von Krankheiten (ICD-10) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird die Legasthenie als schulische Entwicklungsstörung aufgeführt. Diese medizinische Einordnung knüpft die Diagnose an das sogenannte IQ-Diskrepanzkriterium:
- Es wird sowohl die Lese-Rechtschreib-Leistung als auch der Intelligenzquotient (IQ) ermittelt.
- Eine Legasthenie wird formal nur dann bescheinigt, wenn die schwachen Lese- und Rechtschreibleistungen deutlich unter dem Niveau liegen, das aufgrund der allgemeinen Intelligenz des Kindes zu erwarten wäre.
Warum diese Definition umstritten ist
Diese strikte Trennung ist aus pädagogischer Sicht stark in der Kritik. Sie führt theoretisch dazu, dass einem Kind mit unterdurchschnittlicher Intelligenz trotz massiver Probleme beim Schriftspracherwerb keine Legasthenie bescheinigt wird, weil seine schwachen Leistungen angeblich zu seiner Intelligenz "passen".
Für die Praxis der Förderung hat der Intelligenzquotient jedoch keinerlei Bedeutung. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen deutlich, dass bei allen Kindern mit Problemen im Lesen und Schreiben dieselben pädagogischen Methoden wirksam sind – völlig unabhängig davon, ob sie das IQ-Diskrepanzkriterium erfüllen oder nicht.
Zudem stigmatisiert der Begriff "Krankheit" betroffene Kinder oft unnötig. Sie sind nicht krank; sie haben lediglich bestimmte Teilschritte beim Erlernen der Schriftsprache noch nicht richtig vollzogen und automatisiert.
Die biologischen und genetischen Ursachen der Legasthenie
Auch wenn der Unterschied für die praktische Förderung im LOS keine Rolle spielt, ist die biologische Ursache von Legasthenie wissenschaftlich gut erforscht. Studien zeigen, dass Legasthenie eine starke genetische Komponente hat und in Familien gehäuft auftritt.
Mithilfe moderner bildgebender Verfahren (wie dem MRT) lässt sich nachweisen, dass bei Menschen mit Legasthenie die für die Verarbeitung von Sprache und Schrift zuständigen Hirnareale anders zusammenarbeiten. Betroffen ist hierbei vor allem die sogenannte phonologische Bewusstheit – also die Fähigkeit, die Lautstruktur der gesprochenen Sprache (Phoneme) blitzschnell den geschriebenen Buchstaben (Graphemen) zuzuordnen.
Wann sind Fehler beim Lesen und Schreiben noch „normal“?
Dass Kindern und Jugendlichen im Laufe ihrer Schulzeit Rechtschreibfehler unterlaufen, ist völlig normal und gehört zum Lernprozess – insbesondere bei unbekannten oder komplexen Wörtern. Der Übergang zwischen einer normalen Rechtschreibentwicklung und ausgeprägten Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten ist fließend.
Hellhörig sollten Eltern werden, wenn:
- Fehler extrem häufig auftreten und sich auch bei einfachsten, täglich genutzten Wörtern ständig wiederholen,
- ein Wort im selben Text mal richtig und kurz darauf wieder völlig falsch geschrieben wird,
- das Lesen dauerhaft extrem langsam, stockend und ohne Sinnverständnis verläuft.
Wissenschaftliche Diagnostik statt Fehlersuche
Lange Zeit dachte man, dass bestimmte Fehlerarten (wie das Vertauschen spiegelbildlicher Buchstaben wie b/d oder p/q) ein eindeutiger Beweis für eine Legasthenie seien. Heute weiß man, dass dies kein verlässliches Kriterium ist.
Gewissheit bringt nur ein standardisierter und altersnormierter Rechtschreibtest (wie der im LOS eingesetzte Test schreib.on). Dieser ermittelt präzise, wo das Kind im Vergleich zu seiner Altersgruppe steht und welche spezifischen Rechtschreib- und Lesestrategien noch gezielt aufgebaut werden müssen.
LRS und Legasthenie erfolgreich therapieren
Egal ob Legasthenie, LRS oder leichte Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten: Die Probleme entstehen durch unvollständige Lernschritte beim Schriftspracherwerb. Da es sich um ein pädagogisches Defizit handelt, helfen klassische Nachhilfe oder reines, unstrukturiertes Wiederholen zu Hause meist nicht weiter. Die Lücken müssen systematisch und von Grund auf geschlossen werden.
Eine professionelle, pädagogische LRS-Therapie im LOS setzt genau hier an:
- Frühzeitiger Beginn: Je eher verpasste Lernschritte nachgeholt werden, desto schneller kehren die schulischen Erfolge und das Selbstbewusstsein zurück.
- Wissenschaftlicher Ansatz: Durch strukturierten Unterricht, speziell entwickelte Materialien und ausgebildete Förderpädagogen lernt das Kind, Rechtschreib- und Lesestrategien dauerhaft zu automatisieren.
- Ganzheitliche Wirkung: Mit dem Abbau der Lese- und Rechtschreibprobleme sinkt der psychische Druck auf das Kind spürbar. Dies führt meist zu einer deutlichen Verbesserung der schulischen Leistungen insgesamt und verhindert die Entstehung von Schul- und Versagensängsten.
Häufige Fragen (FAQ)
Definition und Genetik bei LRS/Legasthenie
Was genau ist Legasthenie?
Der Begriff „Legasthenie“ stammt aus dem Lateinischen und Altgriechischen und bedeutet wörtlich übersetzt „Leseschwäche“. Die Ursache liegt meist in einer Störung des Schriftspracherwerbs, wobei Jungen häufiger betroffen sind als Mädchen.
Weil von dieser Störung auch das Schreiben betroffen ist, kommt eine reine Leseschwäche praktisch nicht vor. Die heutige Definition meint deshalb Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten, also eine Kombination aus Leseschwäche und Schreibschwäche.
Was genau ist LRS?
Die Abkürzung LRS steht für Lese-Rechtschreib-Schwäche (oder Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten). Es handelt sich dabei um lang andauernde, massive Probleme beim Erlernen der Schriftsprache, die ausdrücklich nichts mit der allgemeinen Intelligenz des Kindes oder mangelndem Fleiß zu tun haben. Betroffene Kinder haben schlicht enorme Schwierigkeiten, die gesprochene Sprache in geschriebene Buchstaben (und umgekehrt) zu übersetzen. Im Gegensatz zu Schulen, die unter LRS oft nur ein vorübergehendes „Symptom“ verstehen, das durch Notenschutz ausgeglichen wird, packt das LOS das Problem an der Wurzel. Mit dem wissenschaftlich fundierten schreib.on-Test ermitteln wir exakt, auf welcher Stufe des Schriftspracherwerbs das Kind steht, um dort gezielt anzusetzen
Was ist der Unterschied zwischen LRS und Legasthenie?
Im deutschsprachigen Raum werden die Begriffe oft synonym verwendet. „LRS“ steht für Lese-Rechtschreib-Schwäche und ist der neutralere Begriff. „Legasthenie“ wird manchmal mit einer angeborenen Störung assoziiert.
Grundsätzlich ist es sinnvoller, von LRS zu sprechen, da mit dem Begriff Legasthenie viele eine Krankheit verbinden, der Betroffene hilflos ausgeliefert sind. Das ist jedoch nicht der Fall – mit der richtigen Förderung können die Schwierigkeiten überwunden werden.
Ist Legasthenie vererbbar?
Wissenschaftler betonen, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen können. In manchen Familien tritt Legasthenie gehäuft auf.
Allerdings: Selbst wenn sich ein genetischer Zusammenhang feststellen lässt, hat er letztlich keine Auswirkungen auf die Behandlung. Ob vererbt oder nicht – die pädagogische Therapie ist immer dieselbe und führt nachweislich zum Erfolg.
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