Dauer und Intensität einer Förderung

Lesen und Schreiben lernen braucht Zeit. Um Fortschritte bei der Überwindung von Schwierigkeiten zu erreichen, bedarf es eines langfristigen und intensiven Trainings. Dies soll mindestens zweimal pro Woche regelmäßig stattfinden, um den Leidensweg des jungen Menschen zu verkürzen.
Die Aufgabe von Eltern und Lehrern ist, die jungen Menschen zu motivieren, regelmäßig und bis zum Lernerfolg die Förderung zu besuchen, auch wenn es manchmal schwerfällt.

Die Dauer einer pädagogischen LRS-Therapie hängt von der Ausgangslage, nämlich dem Lernstand des jungen Menschen zu Beginn der Förderung, ab. Fachleute sind sich darin einig, dass eine seriöse Förderung bei LRS vom Grundsatz her langfristig angelegt sein muss. Die Vorstellung, dass spezifische Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben in ein paar Wochen zu beseitigen seien, ist völlig unrealistisch. Jedes Förderangebot, das dies verspricht, ist unseriös.

Langfristig und zweimal in der Woche

Allen Versprechungen auf schnelle Hilfe ist zu misstrauen. Die Erfahrung zeigt, dass nur eine langfristig, intensiv und regelmäßig durchgeführte Förderung zu einem dauerhaften Erfolg führt. Eltern sollten sich darauf einstellen, dass eine LRS-Therapie je nach Ausprägegrad der Schwierigkeiten bis zu drei Jahren dauern kann.

Wie oft soll der Schüler den Förderunterricht in der Woche besuchen?

Nach einer wissenschaftlichen Untersuchung hängen Fortschritte im Lesen und Schreiben von der Anzahl der Förderstunden ab: Je mehr Förderstunden ein junger Mensch erhält, desto größer ist der Fördererfolg. Wenn ein Schüler nur ein Mal pro Woche zur Förderung geht, dauert es zu lange, bis sich Erfolg einstellt. Bei einer zu langen Förderdauer besteht die Gefahr, dass die Motivation erlahmt und die Therapie nicht zu einem erfolgreichen Abschluss kommt. Es ist deshalb dringend anzuraten, mindestens zweimal in der Woche einen Förderunterricht für jeweils zwei Unterrichtsstunden zu absolvieren.

Durchhalten bis zum Ziel

Eine genaue Erhebung des Lernstandes zu Beginn der Förderung und anschließende Verlaufstests zeigen die Lernentwicklung und geben Feedback. Dadurch steigt die Motivation zum Durchhalten. Die regelmäßige Teilnahme an der Therapie und das Durchhalten über lange Zeit sind das Geheimnis für den Erfolg. Eine wissenschaftliche Studie belegt, dass dies auch der Grund dafür ist, dass die Verbesserung im Lesen und Schreiben nach der Förderzeit anhält. „Steter Tropfen höhlt den Stein“, sagt ein altes Sprichwort. Und die moderne Hirnforschung sieht in steten und andauernden Wiederholungen den Königsweg zur Wissens- und Kompetenzerweiterung.

Stagnation – es geht nicht mehr voran

Stagnation in der Leistungsentwicklung ist im Lauf einer längeren pädagogischen Therapie eine durchaus normale Erscheinung. Der vorzeitige Therapieabbruch ist in jedem Fall der falsche Lösungsweg, er birgt die Gefahr einer Abwärtsspirale. 
Hauptaufgabe von Eltern und Lehrern ist, die jungen Menschen zum Durchhalten der Förderung zu motivieren, damit sie ihre Lernziele erreichen und ihnen die schweren Folgen eines Therapieabbruches erspart bleiben.
Wie lange eine LRS-Förderung dauert, beschäftigt viele betroffene Eltern. Und wenn sie den subjektiven Eindruck haben, dass es keine Lernfortschritte mehr gibt, sich die Schulnoten nicht mehr weiter verbessern, dann liegt für sie die Versuchung nahe, die LRS-Therapie abzubrechen.

Abbruch ist der falsche Weg

Wenn ab einem bestimmten Zeitpunkt der Förderung bei einem Test oder der Schulnote keine Verbesserung ersichtlich ist und auch die Lese- und Rechtschreibleistungen keine besseren Werte aufzeigen, könnte man fälschlicherweise zwei unterschiedliche Schlussfolgerungen ziehen: Die Möglichkeiten des Schülers seien durch die bisherige Förderung ausgeschöpft und eine weitere Steigerung der Kompetenzen nicht mehr zu erwarten. Oder die LRS-Förderung sei nicht geeignet, eine weitere Verbesserung der Rechtschreibsicherheit zu erzielen.
Beide Schlussfolgerungen treffen jedoch nicht zu. Die Erwartung, dass der Förderverlauf in einer stetig nach oben führenden Linie zu erfolgen hat, ist leider unzutreffend. In Wirklichkeit verläuft eine Leistungskurve praktisch nie in einer geraden Linie, sondern immer in einer Wellenlinie. Es gibt in der Leistungserbringung also ein Auf und Ab. Eine Entwicklung kann immer nur als Gesamttendenz über einen längeren Zeitraum korrekt beurteilt werden.

Ein nicht linearer Entwicklungsverlauf ist normal

Aber auch in der Gesamttendenz einer Entwicklung gibt es üblicherweise kein ständiges Aufwärts. Vielmehr geht es phasenweise mal zum Teil steil aufwärts, dann verharrt das Leistungsbild eine Zeitlang auf dem gleichen Stand. Je nachdem wie bestimmte neue Anforderungen verarbeitet werden, kann es sogar zeitweise zu Verunsicherungen und gewissen Einbrüchen im Leistungsbild kommen. Auch der Wechsel zu einer anderen Schulform oder in eine höhere Klasse kann zur vorübergehenden Stagnation führen. Diese angeblichen „Verschlechterungen“ erstrecken sich aber in den meisten Fällen nur über eine bestimmte Zeit und sind beim Erlernen solch komplexer Lerngegenstände wie die der Sprache normale Erscheinungen.

Auf keinen Fall vorzeitig beenden

Der vorzeitige Abbruch der pädagogischen Therapie ist auf jeden Fall der falsche Weg. Selbst wenn der junge Mensch Regeln beherrscht und schon vieles richtig schreibt, ist das Leistungsverhalten noch nicht ausreichend stabilisiert und automatisiert. Das zwischenzeitlich schwächere Testergebnis zeigt an, dass der Schüler noch nicht in der Lage ist, mit der Leistungsentwicklung seiner Altersgenossen Schritt zu halten. Schwierige Phasen bewältigt man nicht dadurch, dass man den Prozess der Förderung abbricht. Vielmehr müssen alle Beteiligten gerade dann das Kind motivieren, weiter durchzuhalten, die Durststrecke zu überwinden und den Anschluss an die Altersgruppe zu schaffen. 
Das Durchhalten und stetige Üben des bereits Gelernten ist ein wesentlicher Bestandteil des Erfolges. Hat das Kind Rückschläge erfolgreich bewältigt, wird gerade das ihm wieder neue Motivation geben und die Erfahrung, schwierige Situationen zu meistern. Nicht zu vergessen, dass die Fähigkeit des Durchhaltens eine wichtige Selbsterfahrung ist, die sich im späteren Leben auch in anderen Bereich bezahlbar macht.

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